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JOURNALISTENPREIS IRLAND 2008

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Journalistenpreis Irland 2008: Die Preisträger

Die Preisträger des Journalistenpreises Irland 2008 wurden am 11. März im Rahmen der „Irish Night“ auf der ITB ausgezeichnet.
Der Botschafter der Republik Irland, S.E. David Donoghue, eröffnete die Preisverleihung und verlieh die Urkunden gemeinsam mit der Laudatorin Daniela Wiesler-Schnalke.

Die Jury 2008 besteht aus den folgenden Mitgliedern: Erica Gebhart, Magazin-Redaktion TV direkt; Viola Wallmüller, Chefredakteurin Laura; Daniela Wiesler-Schnalke, Deutsche Welle-Akademie Leiterin Medientraining; Hubert Kaltenbach, Südwestpresse Ulm Reiseredaktion; Richard Lütticken, Gesamtredaktionsleitung Jahr Top Special Verlag und Mitglied des Vorstandes.
Drei Preise wurden in der Kategorie Print vergeben und erstmalig ein Preis in der Kategorie Hörfunk.

KATEGORIE PRINT:

1. Preis: Elke Michel „Stop… and GO!“
Brigitte (02.01.08)

2. Preis: Stefan Nink “Inselkoller”
Süddeutsche Zeitung (03.10.08)

3. Preis: Andreas Beerlage „Pater Peter und die Fliegen“
Fliegenfischen (Dez. 08)

KATEGORIE HÖRFUNK:
1. Preis:
Jule Reiner: „Fiddler im Goldenen Tal”
Deutschlandfunk (03.07.08)


Auch in diesem Jahr hätten die Themen nicht unterschiedlich sein können, was sich auch in der Auswahl der Jury widerspiegelt. Da geht es um einen störrischen Esel, verregnete Tage im Cottage, die Kunst des Fliegenfischens und Fiddle-Unterricht in Tipperary.



 TOP TEN PRINT:

1. Preis: Elke Michel „Stop… and GO!“

Brigitte (02.01.08)

2. Preis: Stefan Nink “Inselkoller”
Süddeutsche Zeitung (03.10.08)

3. Preis: Andreas Beerlage „Pater Peter und die Fliegen“
Fliegenfischen (Dez. 08)

Jakob Strobel y Serra: „Der Teufel kommt zum Glück zu spät“
Frankfurter Allgemeine Zeitung (24.07.08)

Florian Töpfl: „Irlands wildschöner Westen“
Abenteuer und Reisen (01.05.08)

Volker Mehnert: „Unsterblichkeit gibt es nur im Sattel“
Frankfurter Allgemeine Zeitung (18.12.08)

Volker Hammermeister: „Cash & Kerry“
Promobil (01.07.08)

Reiner Luyken: „Die Stille nach den Schüssen“
Die Zeit (15.05.08)

Inga Griese: „Die Klippen von Donegal“
Welt am Sonntag, ICON (09.10.08)

Elsemarie Maletzke: „Von bunter Wuschigkeit und strenger Ordnung“
Frankfurter Allgemeine Zeitung (03.07.08)



Kategorie Print: 1. Preis:
Elke Michel: „Stop… and GO!“, Brigitte (02.01.08)

(…) Wenn jemand uneins mit mir ist, und auch noch stärker als ich, dann gehe ich ihm normalerweise aus dem Weg. Leider bringt diese Strategie jetzt nichts: Ich befinde mich in der irischen Ortschaft Rathdrum und zerre an einem Seil. Am anderen Ende des Seils ist ein Esel befestigt. Und steht. Seit etwa einer halben Stunde spielen wir nun schon Tauziehen in der Öffentlichkeit. Eine halbe Stunde, in der ich gesäuselt, gefleht, gebrüllt habe, um das Tier zum Laufen zu bringen; in der ich herumgehüpft bin, als wolle ich in der irischen Tanzshow Riverdance auftreten. Doch der Esel ist gut im Stehen. Er blickt mich an, sanft und unnachgiebig, und auch ein wenig verwundert: Was für ein Theater diese Touristin veranstaltet, herrje, jetzt kommen wegen ihr sogar schon die Anwohner aus den Häusern.

„Machen Sie mit dem Esel Ferien?“, fragt einer. „Ja“, sage ich, „aber er will nicht mitmachen.“ – „Vielleicht ist er alt“, meint der Mann. „Er wirkt eher jung“, widerspricht eine Frau. „Vielleicht hat er Arthritis?“, fragt eine betagte Nachbarin. „Der ist bloß stur“, sagt wieder ein anderer, „ziehen Sie noch mal vorne am Seil, ich schiebe von hinten!“ Wie bin ich bloß in diese Slapstick-Nummer geraten?

Fasziniert haben Esel mich schon immer. Vielleicht, weil sie mit ihren übergroßen Ohren, langen Gesichtern und kurzen Beinen wie Karikaturen von Ponys aussehen. Vielleicht habe ich in meinem Leben auch zu viele Geschichten gehört, in denen Grautiere musizierend Räuber verjagten, Jesus herum trugen oder grüne Oger beschützten – da muss man die Viecher doch für die Krone der Schöpfung halten. Ich buchte jedenfalls sofort, als ich im Internet auf ein Angebot stieß: Wandern mit einem Packesel in der Grafschaft Wicklow – einem Landstrich, der auch als „Garten von Irland“ bezeichnet wird. Mit grünen Bergen und Tälern, heidevioletten Plateaus, verwunschenen Seen und Pensionen, die eine Koppel für Tiere besitzen.

Auf der Carrigmore Farm unterwies man mich noch kurz in Eselskunde: Beine, Bauch und Kopf nur mit weichen Bürsten putzen. Regelmäßig kontrollieren, ob sich Steine in den Hufen verkeilt haben; oder ob der Gurt sich gelockert hat, mit dem man die Gepäcktasche auf dem Rücken festzurrt. Ach ja, und nicht vor, sondern neben dem Tier gehen – Esel haben ihren Stolz! Dann zuckelten wir los, ich und Dinny: ein braun-weiß gescheckter Wallach mit Wimpern, um die ihn sogar Daisy Duck beneiden würde. Mit einem Fell wie ein Flokati. Mit Ohren, die länger sind als mein Unterarm, und die unabhängig voneinander in alle Richtungen propellern können.

Jetzt sind wir in Rathdrum, etwa 50 Kilometer südlich von Dublin. In einem Ort, dessen Hauptstraße von kleinen bunten Häusern gesäumt ist, und der einiges zu bieten hat: Es gibt eine evangelische und eine katholische Kirche, die an verschiedenen Ortsenden stehen, wir sind schließlich in Irland. Es gibt die Kneipe Cartoon Inn, deren Wände über und über mit Karikaturen bemalt sind – ein Relikt aus den Neunzigern, als in Rathdrum jährlich ein Cartoonfestival stattfand. Es gibt ein Flüsschen, das Einheimische stets mit den Worten: „Hello fairies!“ passieren, weil dort angeblich die Elfen wohnen; und wer die Elfen grüßt, hat Glück. Außerdem wurden in Rathdrum auch Szenen für einige Filme gedreht, zum Beispiel für „Michael Collins“.

Momentan aber sind mein störrischer Esel und ich die Hauptattraktion. Die Zahl der Umstehenden wächst, und proportional die Absurdität ihrer Ratschläge: „Ich habe gehört“, empfiehlt einer, „man müsse Esel anfangs ein Mal mit den Händen niederringen, damit sie gehorchen.“ In meiner Verzweiflung beginne ich schon, über die Verwirklichung solcher Tipps nachzudenken. Da verstehe ich plötzlich, was Dinny missfällt: Argwöhnisch beäugt er einen Gullideckel vor uns. Unter Applaus des Publikums umrunden wir das gefährliche Objekt großräumig. Bis wir Rathdrum verlassen, sind wir mit dieser Methode noch etlichen Gullis entronnen. Und ich habe einen Grundsatz begriffen, der sich während unserer einwöchigen Reise immer wieder bestätigen wird: Der Begriff „Eselwandern“ besagt, dass der Mensch mit dem Esel wandert – nicht umgekehrt. Ich bin es, die sich nach Dinny richten muss. (…)



Kategorie Print: 2. Preis:
Stefan Nink: “Inselkoller”, Süddeutsche Zeitung (03.10.08)


Am ersten Morgen stand Siebeneisen am Fenster und schaute hinaus aufs Meer. Er trank Kaffee; nach jedem Schluck blickte er mit zusammengekniffenen Augen in die Nebelbänke am Horizont. Siebeneisen war sich sicher, dass er vorhin für einen Moment eine Insel gesehen hatte, die wie eine Pyramide aus dem Wasser ragte, aber jetzt waren da nur Gischt und Nebel und Gewölk. Es schüttete, und ein übler Wind von der Ballinskelligs Bay zerrte und rüttelte an Dach und Fenstern, als sei er sich sicher, irgendwann einen Weg hinein zu finden. „Quoitealuvvlydaiiy!”, hatte seine Vermieterin gemeint, als sie in schulterfreiem Shirt, Leggings und Flip-Flops vor seiner Haustür stand. Siebeneisen brauchte ein paar Sekunden, bis er ihren Satz dechiffriert hatte. Dann war er erst einmal sprachlos, während die Frau triefend vor ihm stand und das heitere Wetter pries. Bevor er etwas sagen konnte, war sie schon wieder in den lieblichen Tag entschwunden. Auf dem Dielenboden stand eine Pfütze Regenwasser.

Siebeneisen ging hinüber zur Hausbibliothek, einem Regal, in dem außer dem Gästebuch („Die Haustür müsste dringend geölt werden!“, Regine und Kurt aus Paderborn) und abgegriffenen Magazinen („Beckham: England wird sich für die EM 2008 qualifizieren!“) auch eine Landkarte der Iveragh-Halbinsel im irischen Südwesten lag. Siebeneisen entdeckte sie ziemlich schnell: Die Pyramide waren in Wirklichkeit zwei, eine kleine und eine große, hintereinander, Little Skellig und Skellig Michael, UNESCO-Weltkulturerbe und laut Karte „eine der mystischsten Stätten des frühchristlichen Irlands“. Siebeneisen fühlte sich eigentümlich berührt. Er verspürte einen seltsamen Drang, diese Pyramiden zu besuchen, als ob sie bei ihrem kurzen Erscheinen im Nebel einen gewaltigen Magneten angeworfen hätten. Eine markierte Linie auf der Karte deutete eine Fährverbindung von Portmagee an, und Portmagee lag gleich um die Ecke. Siebeneisen faltete die Karte zusammen und fuhr los. Dass er auf der falschen Straßenseite unterwegs war, merkte er erst nach zwei Kilometern, als er um ein Haar mit dem Milchwagen zusammenstieß.

Portmagee sah aus wie Außenposten irgendwo auf den Äußeren Hebriden: ein paar knarzende Kutter, Fässer mit weggeplatztem Lack und wirr gestapelte Haufen aus Bojen, Stricken und Hummerfallen, auf denen Möwen hockten, die ihn wie Bewerber beim Casting für eine Stephen King-Verfilmung anstarrten. Siebeneisen parkte direkt am Wasser und versuchte, die Tür seines Mietwagens zu öffnen, was ihm wegen des Windes nur mit erheblicher Mühe gelang. Er fluchte leise und ging hinüber zur Mole. Das Fährhäuschen war mit vernagelten Holzlatten verbarrikadiert. Siebeneisen klopfte. Siebeneisen rief. Siebeneisen lief mehrmals um das Häuschen herum, bevor er beschloss: Da war niemand. Er ging zurück ins Auto und fuhr über die Brücke nach Valentia Island. Zum Skellig Experience Center.

Zwei Stunden später war er eine wandelnde Skellig Michael-Wikipedia. Angeblich hatte bereits der Heilige St.Finan auf der Insel zwölf Kilometer vor der Küste meditiert; später lebten jeweils elf Mönche und ein Abt auf dem Felsen im Meer:

möglichst weit weg von den Menschen, möglichst nah bei Gott. In langen Jahren hämmerten sie sich ein kleines Kloster in den nackten Fels. Sie ernährten sich von Seevögeln, beteten zu Gott und trotzten den Wikingern und der Witterung. Der vor allem, dachte Siebeneisen und las die Einträge an einer Zeittafel. 1000 n.Chr.: „Es beginnt eine Ära mit schlechtem Wetter“, darunter, nächster Eintrag, 1125 n.Chr.:

„Das schlechte Wetter hält an“. Siebeneisen seufzte. Er schlenderte hinüber in den Raum, in dem es um die zweite Insel ging. Little Skellig interessierte ihn überhaupt nicht: Keinesfalls wollte er auch nur in die Nähe eines Ortes geraten, an dem 20.000 Basstölpel mit einer Spannweite von knapp zwei Metern krakeelten und ihre Fischmahlzeiten verdauten, oh nein. Nach Skellig Michael aber musste er, das stand fest. Auf der Rückfahrt zu seinem Ferienhaus fuhr er derart beschwingt, dass er in einer engen Kurve fast mit dem Milchwagen kollidierte. (…)



Kategorie Print: 3. Preis:
Andreas Beerlage: „Pater Peter und die Fliegen“, Fliegenfischen (Dez. 08)


(…) Versetzen wir uns für einen Moment in den Schafbock, der schon seit Stunden dort oben am Gipfel des Teevaree Rocks blökt. Dann würden wir an diesem heißen Junitag hinunter schauen, auf den kleinen See Finlough, ganz im Norden des County Galway. Würden die „Delphi Lodge“, das ehemalige Jagdschlösschen des Marquis of Sligo bewundern – und uns fragen, wer denn diese Figuren auf dem kahlgeschorenen Rasen sind, die elatische Stöcke in der Hand halten und mit bunten Schnüren wirre Zeichen in den Himmel schreiben.

„Die schon wieder“, würden wir uns als Bock mit der erhöhten Schafsperspektive denken, denn seit vielen Jahren wiederholt sich dieses seltsame Ritual mit schöner Regelmäßigkeit: Da stehen sie mit ihren Fliegenruten, die sie das erste Mal in ihrem Leben schwingen, besser gesagt: peitschen, und mittendrin wandelt ein älterer Herr, Typ würdige Erscheinung in Khaki, ein Pfarrer unter seinen Schäfchen, die im Trockenen üben. Greift hier sacht ins Handgelenk, spricht dort leise eine Empfehlung ins Ohr, und mit der Zeit ordnet sich der irre Flug der Schnüre immer mehr zu einem Gleichklang.

Das soll meine Basis für die zukünftige Fliegenfischer-Karriere werden: Den perfekten Rückschwung mit sanfter Beschleunigung vortragen, auf 13 Uhr stoppen, die Schnur in grader Linie die Rute aufladen lassen, und dann das rote Wollbündel am Ende des Vorfachs mit elegantem Schuss in enger Schlaufe zu dem Pflock schleudern, der in zehn Metern Entfernung in den Boden getrieben wurde. Während ich wieder einmal enttäuscht sehe, wie sich die Schnur wie eine sorglos weggeworfene Spagettinudel kringelt und die Pseudo-Fliege, rot auf grün, hart in die Halme prellt, höre ich eine sanfte Stimme an meinem rechten Ohr: „Eine Menge Probleme, Andreas. Ich lasse dich noch ein wenig mit ihnen allein.“ Wie hatte Peter so schön gesagt: „Fliegenfischen ist nicht anderes als der Transport und die Auslieferung von Energie.“ – ob mir das jetzt und hier hilft? Theoretisch ja. Praktisch nein …

Schäfchen und Hirte
Peter O’Reilly gibt seit mehr als 20 Jahren diese Kurse für blutige Anfänger und Fortgeschrittene, trägt die Abzeichen internationaler Fliegenfischen-Verbände auf seiner stets sauberen Angelweste über gebügelten Hemden. Der Mittsechziger mit dem Ruf als irischer Fliegenfischer-Papst hat alle Wurf-Fehler schon tausend Mal gesehen, nicht sorgfältig zusammen gesteckte Ruten brechen gehört, seinen Schützlingen Lachsfliegen mit 8er-Haken aus den Lidern operiert, weil sie den so dringend empfohlenen Sichtschutz zur Seite legten und ein Rückschwung ins Auge ging …

Aber bei einem Tässchen Tee im Salon des Schlösschens, nach den Wurfübungen und vor der Knotenkunde, sagt er mit leisem Lächeln: „Es ist wundervoll, Lehrer zu sein. Und jeder, der seine Glieder einigermaßen koordiniert bewegen kann, wird bei mir das Fliegenfischen lernen.“ Peter O'Reilly ist ein für irische Verhältnisse sehr großer Mann, milde Augen schauen durch stets kristallklare Brillengläser, die ganze Erscheinung ist wie aus dem Ei gepellt. Er spricht langsam, leise, wiederholt gerne die ihm wichtigen Sätze. „Anmutig, anstrengungslos und präzise“ – so funktioniert Fliegenfischen.

Anmutig und präzise
Und so funktioniert auch Peter O'Reilly. Ich habe ihn während fünf Tagen nicht einmal schnell oder gar hastig gesehen, er trinkt Schluck für Schluck, redet Wort für Wort, und jeder Bissen seiner Gedanken wurde, das merkt man, in stillen Stunden mindestens dreißig Mal gekaut, um wirklich leicht verdaulich zu sein. Wenn Papst Peter seine Gebote predigt („Fliegenfischen ist ein Mischung aus Wissenschaft und Kunst, die sich exakter Beschreibung entzieht“ ), erinnert er nicht von ungefähr an einen Geistlichen: Er war einige Jahre lang Pfarrer, bevor ihm der Dienst im Namen des Herrn zu sehr auf der Seele lastete: „Wenn man die Tür am Abend schließt, ist man allein. Das habe ich auf Dauer nicht ausgehalten.“ Ironie der Geschichte: Ein Mann im schwarzen Gewand und mit weißen Kragen war es, der Peters Angler-Laufbahn vor mehr als 50 Jahren anschob.

Denn der Gemeindepfarrer hatte gemerkt, dass der Junge jenen englische Fliegenfischern mit weit geöffneten Augen nachsah, die jedes Frühjahr ihre gespließten Hardy-Ruten am Bach der elterlichen Mühle im County Cavan schwangen und Forellen fingen. Peter baute sich Ruten aus Haselnusssträuchern nach, bekam dann aber vom Priester seine erste eigene Ausrüstung geschenkt. Der sagte: „Niedriger als der Wurm ist nur der Wurmangler!“

Peter blieb nun nicht viel anderes übrig, als sich die Fliegenfischerei selbst beizubringen. Bis er eines Tages einen Mann traf, der die Rute so elegant führte, wie Peter es nie zuvor gesehen hatte. „Das kann man lernen“, sagte der Fischer. Im englischen Nordirland gäbe es Lehrer für die richtige Rutenführung. Da musste er hin! Nach Nordirland, Großbritannien und in die USA führten ihn in den folgenden Jahrzehnten seine Lehrjahre. Mittlerweile hat er – theoretisch – alles gelernt, was man als Fliegenfischer und Angellehrer wissen muss. Das wichtigste aber sei, sagt Peter zwischen zwei Biskuits, nichts als selbstverständlich zu nehmen: „Es gibt jede Tag etwas Neues zu lernen. Denn das Fliegenfischen lehrt uns Demut. Keiner weiß alles. Und auch die größte Erfahrung kann eines Tages dazu führen, dass der alte Hase nichts fängt, während der Neuling anscheinend alles richtig macht.“ (…)



TOP FIVE HÖRFUNK:

1. Preis:

Jule Reiner: „Fiddler im Goldenen Tal”
Deutschlandfunk (03.07.08)


Michael Marek: „Literarische Zechtour – Irlands eigene Kulturform"
Norddeutscher Rundfunk (14.12.08)

Katrin Kühne: „The National Trust Crown Bar in Belfast“
Deutschlandfunk (23.11.08)

Hannelore Hippe: „Mit welchem Fuß trittst du? 10 Jahre Friedensprozess Nordirland“
SWR2 (21.03.08)

Harald Jüngst: „Bodhran – Gaelic Heartbeat”
WDR3 Soundworld (28.10.08)

JOURNALISTENPREIS IRLAND 2008

Die Ausschreibung
Nach der guten Resonanz der letzten beiden Jahre wurde Anfang des Jahres beschlossen, die Ausschreibung, die bislang nur veröffentlichte Irland-Artikel berücksichtigte, auf gesendete Hörfunkbeiträge auszuweiten. Akzeptiert werden nun Artikel und Radiobeiträge aus den Jahren 2007 und 2008. Jeder Teilnehmer kann bis zu zwei Beiträge anmelden. Sie können sich das Anmeldeformular hier auf dieser Seite herunterladen.

Ziele der Ausschreibung
Gewürdigt wird die Leistung von Autorinnen und Autoren, die in der deutschsprachigen Öffentlichkeit das Bewusstsein für Qualität, Bedeutung und Verantwortung journalistischer Arbeit schärfen. Auf der Grundlage der vom Kuratorium gesetzten Maßstäbe, werden Reisejournalistinnen und Reisejournalisten ausgezeichnet, deren Beiträge ein bedeutendes Thema behandeln und deren recherchierten Fakten wegen ihres Neuigkeitsgehalts und der Art der Präsentation für einen wachen Reisejournalismus beispielhaft erscheinen. Die Auszeichnung wird unabhängig von jeder Nationalität, Parteirichtung oder Verbandszugehörigkeit vergeben, nicht aber an Personen, deren Veröffentlichungen sich gegen die Grundordnung der Demokratie richten. Der eingereichte Artikel oder Hörfunkbeitrag darf nicht Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzung sein.

Dotierung
Der Journalistenpreis Irland 2008 ist mit insgesamt 5.000 Euro für eine Veröffentlichung in einer Tages-, Sonntags- und Wochenzeitung, Publikums- und Fachzeitschriften bzw. bei einem deutschsprachigen Radiosender dotiert.
Artikel werden mit einem 1. Preis (1.500 Euro), einem 2. Preis (1.250 Euro)und einem 3. Preis (1.000 Euro) ausgezeichnet. Außerdem wird ein Hörfunkbeitrag mit 1.250 Euro gekürt.
(Die Vergabe der Preise kann auf Beschluss der Jury variiert werden).

Schirmherr, Komitee und Jury
Schirmherr des Journalistenpreises Irland ist S.E. David Donoghue, Botschafter von Irland.
Das Komitee besteht aus dem Schirmherrn S.E. David Donoghue; Ralf-Michael Hubert, Irish Ferries Marketing & Sales Manager; Eamonn Cunningham, Aer Lingus Sales Manager Central Europe, und Judith v. Rauchhaupt, Irland Information Press & Publicity Manager. Das Komitee nimmt keinerlei Einfluss auf die Bewertung der Artikel und Beiträge. Die Beurteilung bleibt alleine der Jury überlassen.

Die Jury 2008 besteht aus den folgenden Mitgliedern:
Erica Gebhart, Magazin-Redaktion TV direct; Viola Wallmüller, Chefredakteurin Laura; Daniela Wiesler-Schnalke, Deutsche Welle-Akademie Leiterin Medientraining; Hubert Kaltenbach, Südwestpresse Ulm Reiseredaktion; Richard Lütticken, Gesamtredaktionsleitung Jahr Top Special Verlag und Mitglied des Vorstandes.

Voraussetzungen für die Bewerbung 2008
Die Ausschreibung richtet sich an Journalistinnen und Journalisten, deren Beiträge (Artikel/Hörfunkreportage) in der Zeit vom 1. Januar 2007 bis 31. Dezember 2008 in einer deutschsprachigen Tages-, Sonntags- oder Wochenzeitung, in einer Illustrierten oder anderen periodischen Publikation erschienen sind bzw. in einem deutschsprachigen Radiosender übertragen wurden. Ausgeschlossen sind schon im Jahr 2007 eingereichte Arbeiten sowie Beiträge aus Mitarbeiter-, Verbands- oder Kundenblättern.

Teilnehmen können alle freien oder fest angestellten Journalisten. Die eingereichten Beträge müssen in einem allgemein zugänglichen, deutschsprachigen Printmedium/Radiosender erschienen sein. Pro Teilnehmer können bis zu zwei Arbeiten eingereicht werden.

Um eine möglichst objektive Beurteilung der Jury zu gewährleisten, werden den Juroren die Artikel ohne Angabe des Verfassers und der Publikation vorgelegt. Deshalb bitten wir darum, uns nur den Text des Artikels/Beitrages als reines Textdokument per E-Mail sowie zwei Originale der Veröffentlichung per Post zuzusenden: Irland Information, Presseabteilung, Gutleutstr. 32, 60329 Frankfurt, presse@tourismireland.com.

Autor, Publikation und Erscheinungsdatum werden dann für die Jury eliminiert. Diese Daten verbleiben bis zur Bekanntgabe der Preisträger bei der Irland Information. Da es uns einzig um die Bewertung guter Reisereportagen geht, werden Fotos von der Beurteilung ausgeschlossen. Die Bewerbung – Wortdokument, Artikel und Anmeldeformular – müssen bis 31.12.2008 bei der Irland Information in Frankfurt am Main eingehen. Über den Ausgang des Wettbewerbs werden alle Nominierten informiert. Die Teilnahme ist kostenlos.

Preisverleihung
Der Journalistenpreis Irland 2008 besteht aus dem vorgenannten Geldpreis sowie einer Einladung nach Berlin, einschließlich Hin- und Rückreise und Hotelaufenthalt, um während der ITB Berlin 2009 an der Preisverleihung teilnehmen zu können. Alle Nominierten werden in Pressemeldungen der Fachpresse vorgestellt. Das Urheberrecht liegt bei den Teilnehmern. Die Irland Information ist im Falle einer Nominierung/Prämierung zur Veröffentlichung des Beitrags berechtigt. Falschangaben führen zum Ausschluss und zur Aberkennung eventuell verliehener Preise. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

JOURNALISTENPREIS IRLAND 2007: TOP TEN

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Die Gewinner des Journalistenpreises Irland 2007 wurden am 5. März im Rahmen der „Irish Night“ auf der ITB ausgezeichnet.

Der Botschafter der Republik Irland, S.E. David Donoghue, eröffnete die Preisverleihung und Richard Lütticken, Vorstandsmitglied des Jahr Top Special Verlags und Laudator des Abends, verlieh die Urkunden. Ursprünglich waren drei Preise (Platz 1 bis 3) ausgeschrieben, da aber zwei der eingereichten Artikel die gleiche Punktzahl erreichten, entschied die Irland Information zwei gleichwertige dritte Preise auszugeben.

Wir von der Irland Information freuen uns vor allem über die Unterschiedlichkeit der prämierten Artikel. Sie zeigt das große Spektrum der möglichen Themen. In den Beiträgen geht um einen schrägen Heiratsmarkt, die faszinierende Grabanlage Newgrange, eine Motorradtour von Donegal nach Cork und einen einfühlsamen Artikel über Nordirland, der letztendlich die meisten Jurypunkte auf sich vereinen konnte. Wir werden den Journalistenpreis Irland auch für 2008 ausschreiben und auf Hörfunkbeiträge erweitern.



TOP TEN:

Marianne Quoirin:
„Vierzig Farben: Grün“, Kölner Stadt-Anzeiger (8.08.07)

Markus Wolff:
„Zum Glück gibt’s Lisdoonvarna“, GEO Spezial „Irland“ (Nr. 2, 04/05 2007)

Joachim Deleker:
„Green Piece“, Motorrad (18.08.06)

Dr. Christof Siemes:
„In der Sonnenfalle“, Zeitreisen (März 2007)

Regine Reinhardt:
„Letzte Tankstelle vor Amerika“, Frankfurter Allgemeine Zeitung (3.05.07)

Franz-Michael Braunschläger:
„Neue Töne am Liffey“, Avenue (Oktober 2007)

Ditmar Hauer:
„Ein fabelhafter Heiliger“, Berliner Zeitung (3.03.07)

Rainer Schillings:
„Die Gaffel-Gang aus Galway“, Segeln (3/07)

Mirian Sahli:
„Die Beste im Westen“, Westfälischer Anzeiger (23.06.07)

Franz-Michael Braunschläger:
„Kraft der Kobolde“, Rheinischer Merkur (17.12.06)



1. Preis: Marianne Quoirin
„Vierzig Farben: Grün“, erschienen im Kölner Stadt-Anzeiger (8. August 2007) Belfast vibriert. Eine Stadt versucht seit zehn Jahren, Versäumtes nachzuholen. Die Losung lautet „let's have some craic“. Der Begriff, Anfang der 70er Jahre von jungen Leuten als Codewort fürs Überleben im Bürgerkrieg geprägt und von einem TV-Moderator für eine Schau adaptiert, bedeutet mehr als „lasst uns ein bisschen Spaß haben“. Craic ist das Synonym für Klatsch, Hemmungslosigkeit, Unterhaltung und harmlose Scherze. Und da mehr als eine Generation auf craic verzichten musste, füllen sich abends Pubs, Bars und Restaurants, wenn sich die Büros und Geschäfte leeren. Festivals der verschiedensten Art und Güte verteilen sich über das ganze Jahr: an der Universität, im Cathedral Quarter in der Innenstadt und im tiefsten West-Belfast. In den Pubs und Bars in der City oder im Viertel der Universität trifft man immer auf Leute, die gern mit Fremden ins Gespräch kommen. Das war mehr als 25 Jahre fast unmöglich, als die Stätten der Gastlichkeit hinter Stacheldrahtverhauen, Panzerglas und Betonklötzen verkümmerten und sich verbarrikadierte Pforten nur nach ausgiebiger Gesichtskontrolle Fremden öffneten - oder auch gar nicht.

Inzwischen verdient Belfast den Titel Hauptstadt der Kommunikation, da fast jeder mit jedem redet. „Come on, join us. Let's have some craic.“ Gern lästert man über Touristen, die Geld dafür ausgeben, die „trouble spots“ auf der Falls Road (katholisch) oder auf der Shankill Road (protestantisch) aufzusuchen, wo Menschen getötet wurden und die martialischen Wandbilder der Paramiliz an wenig glorreiche Tage erinnern. Mindestens 25 Pfund muss berappen, wer die Bilder und die so genannte Friedensgrenze (peace line) betrachten will. Die hohe Mauer zwischen den katholischen und protestantischen Gettos ist seit dem Friedensabkommen im April 1998 noch verfestigt und erhöht worden. Die Menschen, die hinter diesem monströsen Zaun leben, setzen sich freilich am Abend ab in die Stadt - zum craic, weil der in ihren Vierteln noch nicht zu genießen ist.

Die Hafenstadt ist ein typischer Industriestandort, und eher schäbig sind die Überbleibsel ihrer viktorianischen Vergangenheit. Eine Stadt mit wenigen Baudenkmälern (Opernhaus, City Hall, Universität, Albert Clock, St. Anne's Cathedral, Palmgarten), 170 Kirchen, eintönigen Vorstädten und herrlichen Parks in den bürgerlichen Wohnvierteln. Aber ein bequemer Ausgangspunkt für Exkursionen oder Ausflüge aufs Land. An die überwältigende Küste von Antrim mit Giant’s Causeway und dem Gespensterschloss. (...)


2. Preis: Markus Wolff
„Zum Glück gibt’s Lisdoonvarna“, erschienen in GEO Spezial „IRLAND“ (Nr. 2, April/Mai 2007)

Einmal im Jahr zieht es Singles aus der ganzen Welt in ein ansonsten nicht verhaltensauffälliges Örtchen an Irlands Westküste. Aus einer Viehversteigerung ist hier Europas bekanntester Heiratsmarkt erwachsen.

Kann doch manchmal nicht schaden, schon am Anfang zu wissen, dass am Ende alles gut wird: Brooke, die Amerikanerin, wird zum Beispiel Dirk aus Deutschland finden, und selbst der Heiratsvermittler verliert sein Herz an eine Dame aus Bremen, wenn auch nur kurz. Und das sind nur vier Menschen von vielen, die sich bereits zum Auftakt des "Matchmaking Festivals" kennen lernen werden. Noch einen ganzen Monat danach zieht es Glücksritter nach Lisdoonvarna; jeden in der Hoffnung, hier seinen persönlichen Schatz zu entdecken. Zwischen 8000 und 15 000 werden sich dann an den Wochenenden auf die wenigen Straßen des Städtchens verteilen. Aber was die Liebe ja von allen anderen Kostbarkeiten unterscheidet: Je mehr Menschen am gleichen Ort nach ihr suchen, desto größer ist die Chance, sie für sich selbst auch zu finden.

Die Liebe, sofern sie nach Lisdoonvarna kommt, hat ohnehin nicht viele Möglichkeiten, sich zu verstecken. Wo könnte sie hin an einem Ort, der sich am besten mit dem beschreiben lässt, was er nicht besitzt: Es gibt keine Ampel und keine Bank, keinen Geldautomaten, keinen Rechtsanwalt, keinen Zahnarzt und so wenig kriminellen Ehrgeiz, dass die kleine Polizeistation an der Main Street werktags schon um 13 Uhr schließen muss. Entlang der Hauptstraße liegen auch die wenigen größeren Hotels, vor denen in der Hochsaison die Reisebusse halten. Aus ihnen steigen abends müde wirkende Menschen mit Video- und Digitalkameras, auf denen sie sich später im Restaurant gegenseitig die Höhepunkte des Tages zeigen: beigefarben gekleidete Menschen an den Cliffs of Moher, zum Beispiel, oder beigefarben gekleidete Menschen im Burren, einer rund 300 Quadratkilometer großen Karstlandschaft, an deren Ausläufern Lisdoonvarna liegt. Ein paar Blumen zwar, ansonsten nur Kalkstein, Moose, Flechten. Lange vor Erfindung beigefarbener Reisegruppen brachte der Burren nicht nur die Einheimischen, sondern auch Irlands Besatzer darüber ins Grübeln, wozu sich diese Region wohl nutzen ließe. "Kein Baum, an dem man einen Mann aufhängen könnte", soll der Engländer Oliver Cromwell ratlos gesagt haben, "kein Tümpel, um ihn zu ersäufen, keine Erde, um ihn zu verscharren." (...)


3. Preis: Joachim Deleker
„Green Piece“, erschienen in MOTORRAD (18. August 2006)

Irland hat viel mehr zu bieten als urige Dörfer zwischen grünen Hügeln. Zur landschaftlichen Hochform läuft die Insel entlang der grandiosen Atlantikküste zwischen Donegal und Cork auf.

Der Zeiger des Barometers steht wie festgenagelt auf 1035 Millibar. Ein ungewöhnlich hoher Luftdruck für einen irischen Sommertag. Nicht eine Wolke ist am tiefblauen Himmel unterwegs, und der Atlantik gibt sich zahm wie der Bodensee bei Flaute. Seit Stunden sitze ich auf einer Klippenkante hoch über dem Meer, genieße die Wärme und die spektakuläre Sicht über die grünen Hügel bis zu den Steilfelsen von Slieve League, die fast 600 Meter aus dem Ozean aufragen. Kaum ein Tourist verirrt sich in diese abgelegene Gegend im äußersten Nordwesten der Insel. Hier zeigt Irland noch seinen ursprünglichen Charme, wird noch nicht von der Touristenkarawane überrollt, wie die berühmten Halbinseln im Südwesten.

Das stabile Hochdruckgebiet wehrt auch in den nächsten Tagen alle Annäherungsversuche atlantischer Tiefausläufer ab. Perfekte Bedingungen für meine Kreuzfahrt durch die Provinzen Donegal und Connemara. Ich folge winzigen „Single Tracks“, einspurigen Nebenstraßen, die sich oft zwischen meterhohen Fuchsienhecken oder uralten grauen Steinmauern verstecken. Wenig Verkehr und viel Fahrspaß ist das Motto. Eins der besten Exemplare erwische ich zwischen Kilcar und Killybegs. Achterbahngleich windet sich die schmale Teerspur am Atlantik entlang, klettert über einem kleinen Pass und seilt sich hinunter zu einer dieser traumhaften Buchten, die es hier wie Sand am Meer gibt. Irland wie aus dem Bilderbuch.

Das ändert sich allerdings auf dem Weg nach Connemara. Die Landschaft flacht ab je weiter ich mich von der Küste entferne, wird ereignislos und völlig zersiedelt. Kaum anderswo in Europa wird so viel gebaut wie in Irland. Der Ire liebt sein Eigenheim und profitiert von der boomenden Wirtschaft, die seit Jahren mit Zuwachsraten protzt, von denen die anderen EU-Länder kaum zu träumen wagen. Die Langeweile des Landesinneren hält zum Glück nicht lange an, wird auf der Connemara-Halbinsel von einer Szenerie abgelöst, die so gar nicht den üblichen Irland-Klischees entspricht. Hohe und schroffe Berge, einsame Wälder und stille Seen erinnern viel eher an das schottische Hochland. Aber was bedeuten schon Klischees? Heißt es nicht auch, dass sich das irische Wetter beinahe im Minutentakt ändert? Nicht, dass ich besonders scharf auf solche Wetterkapriolen wäre, der seit vier Tagen wolkenlose Himmel geht völlig in Ordnung.

Über Nacht allerdings wechselt das Programm auf dichten Nebel mit Nieselregen, den die Iren Drizzle nennen. Drizzle ist aber nicht irgendein Nieselregen, es gibt die unterschiedlichsten Varianten. Vom leichten Nebelnässen vermag sich der Drizzle stufenlos bis zum Wolkenbruch zu steigern, ohne das es ein solcher ist. Denn Drizzle ist immer weich und sanft, hat nichts von der Härte des deutschen Regens. Regen fällt an der irischen Westküste nur selten, Drizzle umso häufiger. Die heutige Variante ist äußerst fein und damit perfekt geeignet, sich durch jede Ritze der Regenkombi zu mogeln. Vor allem natürlich dort, wo Mann es am liebsten hat. Was den Spaß am Fahren drastisch abkühlt. Zelten fällt heute aus, ein Bed & Breakfast muss her. (...)


3. Preis: Dr. Christof Siemes
„In der Sonnenfalle“, erschienen in ZEITREISEN (März 2007)
Das Hügelgrab von Newgrange in Irland ist ein Wunder der Baukunst. Seit über 5000 Jahren endet dort die längste Nacht mit einem spektakulärem Lichtspiel.


Die Reise ans Ende der längsten aller Nächte kann man nicht einfach buchen. Sie beginnt als Glücksspiel. „Winter Solstice in Newgrange – Lottery Application Form“ steht auf dem schmalen Pappstreifen, der zur Eintrittskarte für ein weltweit einigartiges Erlebnis werden kann. Bitte benutzen Sie Großbuchstaben und schicken Sie das ausgefüllte Formblatt an das Brú na Bóinne Visitor Centre, Donore, Drogheda, Co. Meath, Ireland.

Ich hatte Glück. Und stehe nun vor dem vielleicht ältesten, mit Sicherheit aber einem der seltsamsten Bauwerke der Menschheit: Newgrange, auf Irisch Brú na Bóinne, die Festhalle, der Jenseitspalast der Flussgöttin Boann. Eigentlich ist es Ganggrab, über 5000 Jahre alt – das sind 1000 Jahre mehr als beim englischen Stonehenge. Und als mit dem Bau der Pyramiden von Giseh begonnen wurde, hatte Brú na Bóinne schon ein halbes Jahrtausend auf dem Buckel.

Im Prinzip ist es kein Problem, Newgrange zu besichtigen. Man kauft eine Eintrittskarte, steigt in einen Shuttlebus, gondelt fünf Minuten zwischen akkurat gestutzen Hecken durch fettgrünes irisches Weideland entland des Flusses Boyne, steigt aus, zieht den Kopf ein und zwängt sich in die Grabkammer. 140.000 Menschen tun das jedes Jahr. Warum also das Lotteriegedöns?

Weil Newgrange mehr ist als Grab und Götterburg. Es ist ein Kalender, eine gigantische astronomische Uhr. Sie zeigt zwar nur einen einzigen Moment des Jahres an, den aber exakt: Winter Solstice, was „Sun stands still“ kommt und die Wintersonnenwende bezeichnet. An den fünf Tagen rund um den 21. Dezember scheint die Sonne immer an derselben Stelle aufzugehen, sie steht still, bis sie ihre Wanderung im Jahreslauf wieder aufnimmt und die Nächte kürzer werden. Und genau an diesen fünf Tagen fällt an jedem Morgen, zwischen 8.58 Uhr und 9.15 Uhr, Sonnenlicht in die ansonsten stockfinstere Grabkammer. Eine steinzeitliche Lichtinstallation von staunenswerter Präzision. Ein Hochamt für alle Archäologen, Naturmystiker, Irlandfans und Esoterikfreaks. Deshalb die Lotterie: Allein im Jahr 2006 wollten fast 30000 Menschen als aller Welt die 17-minütige Erleuchtung live erleben. Es gibt aber nur hundert Plätze. (...)

Voraussetzungen für die Bewerbung 2007

Die Ausschreibung richtet sich an Journalistinnen und Journalisten, deren Beiträge in der Zeit vom 1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2007 in einer deutschsprachigen Tages-, Sonntags- oder Wochenzeitung, in einer Illustrierten oder anderen periodischen Publikation erschienen sind. Ausgeschlossen sind schon im Jahr 2006 eingereichte Arbeiten sowie Beiträge aus Mitarbeiter-, Verbands- oder Kundenblättern.

Teilnehmen können alle freien oder fest angestellten Journalisten. Die eingereichten Artikel müssen in einem allgemein zugänglichen, deutschsprachigen Printmedium erschienen sein. Pro Teilnehmer können bis zu zwei Artikel eingereicht werden.

Um eine möglichst objektive Beurteilung der Jury zu gewährleisten, werden den Juroren die Artikel ohne Angabe des Verfassers und der Publikation vorgelegt. Deshalb bitten wir darum, uns nur den Text des Artikels per E-Mail sowie zwei Originale der Veröffentlichung per Post zuzusenden: Irland Information, Presseabteilung, Gutleutstr. 32, 60329 Frankfurt, mailto:presse@tourismireland.com.

Autor, Publikation und Erscheinungsdatum werden dann für die Jury eliminiert. Diese Daten verbleiben bis zur Bekanntgabe der Preisträger bei der Irland Information. Da es uns einzig um die Bewertung guter Reisereportagen geht, werden Fotos von der Beurteilung ausgeschlossen. Die Bewerbung – Wortdokument, Artikel und Anmeldeformular – müssen bis 31.12.2007 bei der Irland Information in Frankfurt am Main eingehen. Über den Ausgang des Wettbewerbs werden alle Nominierten informiert. Die Teilnahme ist kostenlos

Dotierung

Der Journalistenpreis 2007 ist mit insgesamt 3.750 Euro für eine Veröffentlichung in einer Tages-, Sonntags- und Wochenzeitung, Publikums- und Fachzeitschriften dotiert. Der 1. Preis wird mit 1.500 Euro, der 2. Preis mit 1.250 Euro und der 3. Preis mit 1.000 Euro ausgezeichnet. (Die Vergabe der Preise kann auf Beschluss der Jury variiert werden).

Der Journalistenpreis Irland 2007 besteht aus dem vorgenannten Geldpreis sowie einer Einladung nach Berlin, einschließlich Hin- und Rückreise und Hotelaufenthalt, um während der ITB Berlin 2008 an der Preisverleihung teilnehmen zu können. Alle Nominierten werden in Pressemeldungen der Fachpresse vorgestellt. Das Urheberrecht liegt bei den Teilnehmern. Die Irland Information ist im Falle einer Nominierung/Prämierung zur Veröffentlichung des Beitrags berechtigt.

Falschangaben führen zum Ausschluss und zur Aberkennung eventuell verliehener Preise. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Trauer um Günter Köhler

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„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir ungefragt weggehen und Abschied nehmen müssen.“

(Albert Schweitzer)

Günter Köhler (58) verstarb völlig unerwartet am 20. September 2007 nach kurzer Krankheit. Er war freier Journalist, jahrelang Chefredakteur des Reisemagazins Tours und Jurymitglied des Irland-Journalistenpreises. Seit etwa einem Jahr gestaltete er mit einigen Partner das Reiseportal Travel Topics. Wir haben einen großartigen Menschen, Freund und Kollegen verloren. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und engsten Freunden.

Gradlinig, unverstellt, humorvoll und eigenwillig, charmant und liebenswürdig werden wir ihn in Erinnerung behalten.

Judith v. Rauchhaupt und das Team der Irland Information, die Jury und das Kuratorium des Journalistenpreises Irland

JOURNALISTENPREIS IRLAND 2006

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Die Irland Information präsentierte auf der ITB 2006 den JOURNALISTENPREIS IRLAND, deren drei Gewinner auf der ITB 2007 ausgezeichnet wurden. Besonders gelungene Reisereportagen und -artikel über die Urlaubsdestination Irland wurden in drei Kategorien ausgezeichnet: a) Tages- und Wochenzeitung, b) Magazin, c) Außergewöhnlich & Originell. (Ursprünglich gab es noch die Kategorie Volontär, die aufgrund zu geringer Beteiligung gestrichen wurde.) Die Preise waren zwischen 500 und 1000 Euro dotiert. Eine unabhängige fünfköpfige Jury, bestehend aus Redakteuren und freien Journalisten, gab ihre Beurteilung im Frühjahr 2007 ab. Bis zum 31. Dezember 2006 konnten Journalisten bis zu zwei ihrer in den Jahren 2005 und 2006 veröffentlichten Artikel einreichen.

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Das Kuratorium

Die Jury und das Kuratorium
Kuratorium: Ralf-Michael Hubert, Irish Ferries; Schirmherr H.E. Mr. Seán O’Huiginn; Judith v. Rauchhaupt, Irland Information; Eamonn Cunningham, Aer Lingus;

Jury: Erica Gebhart, TV direkt; Hubert Kaltenbach, Südwestpresse Ulm (leider nicht im Bild); Günter Köhler, freier Journalist; Richard Lütticken, Blinker; Viola Wallmüller, Für Sie.

Bis zum 31. Dezember wurden 76 Artikel bei der Pressestelle der Irland Information eingereicht - viel Stoff für unsere fünf Jurymitglieder zum Schmunzeln, Ächzen, Verzweifeln und natürlich zum Auswählen und Bewerten.

Übrigens: die Jurymitglieder sahen bei ihrer Beurteilung weder den Namen der Zeitung oder des Magazins noch den Namen der Autorin oder des Autors.

Die Kategorie Volontär wurde gestrichen, da sich nur eine Volontärin bewarb.

 

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JOURNALISTENPREIS IRLAND 2006

Auf der diesjährigen ITB in Berlin wurden erstmalig drei Preisträger mit dem Journalistenpreis Irland ausgezeichnet.

Foto (von links): Ralf-Michael Hubert, Irish Ferries (Kuratorium); David Donoghue, S.E. Botschafter von Irland und neuer Schirmherr; Dr. Christof Siemes, Die Zeit; Judith v. Rauchhaupt, Irland Information; Sandra Schulz, Mare; Jakob Stobel y Serra, Frankfurter Allgemeine Zeitung; Richard Lütticken, Blinker; Erica Gebhart, TV direkt (beide Jury).

In der Kategorie Tages-, Wochen- und Sonntagszeitung gewann Jakob Strobel y Serra den Preis für seinen Artikel „Die Kartoffel ist eine heilige Knolle“, erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (14.12.2006). Sandra Schulz ist die Preisträgerin in der Kategorie „Magazin“ für „Das Wunder von Dingle“, erschienen in Mare (Juni/Juli 2006) und der Artikel „Im Sturm erobert“ von Dr. Christof Siemes in ZEITREISEN (März 2005) wurde von der fünfköpfigen Jury in der Kategorie „Originell“ als bester Beitrag gewürdigt.

„Neben dem stilistisch hohen Niveau und der guten Recherche haben die Jury alle drei Artikel vor allem deshalb überzeugt, weil sie mit viel emotionalem Engagement geschrieben wurden. Die Geschichten sind sehr menschlich und drücken eine große Nähe zu Irland aus“, hob Laudator Richard Lütticken bei der Preisverleihung im Rahmen der „31. Irish Night“ in Berlin hervor.

Alle Mitglieder der Jury und des Kuratoriums haben bereits zugesagt, im kommenden Jahr wieder dabei zu sein. In den kommenden Tagen werden wir die Ausschreibung ins Netz stellen, die Informationsbroschüre und das Anmeldeformular für den JOURNALISTENPREIS IRLAND 2007 kann man aber bereits bei der Irland Information bestellen.



TOP TEN: Tages-, Wochen- und Sonntagszeitung
Jakob Strobel y Serra, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.06

Dr. Christof Siemes, Zeitreisen, März 2005
Rainer Schauer, Frankfurter Rundschau, 8.07.06
Roswitha Bruder-Pasewald, Badische Neueste Nachrichten, 29./30.07.06
Hans Schloemer, Welt am Sonntag, 27.11.06
Jule Reiner, Frankfurt Rundschau, 19.03.05
Manuela Pfohl, Ostsee-Zeitung, 26.11.05
Gabrielle Attinger, Tages-Anzeiger, 7.12.06
Michael Jacobs, Rhein Main Presse, Reisejournal, 29.10.05
Gabriele Schulte, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18.03.06

TOP TEN: Magazin
Sandra Schulz, Mare, 7.06.06

Robert Fishman, Kreuzfahrt Magazin, April 2005
Deborah Knür, Der Feinschmecker, August 2006
Jörg Berghoff, Tours, Mai 2005
Christiane Kächler-Kröck, Unser Pferd, März 2005
Klaus H. Daams, Tourenfahrer, Mai 2005
Beate Wand, Wandermagazin, 02/2006
Günter O. Reiter, Golf Journal, Mai 2005
Jörg Berghoff, Tours, September 2007
Hans-Jürgen Hess, Reisemobil International, 04/2006

TOP TEN: Originell
Dr. Christof Siemes, Die Zeit/Zeitreisen, März 2005

Jakob Strobel y Serra, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.06
Sandra Schulz, Mare, 7.06.06
Regine Reinhardt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.06
Rainer Schauer, Frankfurter Rundschau, 8.07.06
Robert Fishman, Kreuzfahrt Magazin, April 2005
Manuela Pfohl, Ostsee-Zeitung, 26.11.05
Jörg Berghoff, Tours, Mai 2005
Hans Schloemer, Welt am Sonntag, 27.11.06
Deborah Knür, Der Feinschmecker, August 2006

1. Platz, Kategorie Tages-, Wochen- und Sonntagszeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung: Jakob Strobel y Serra
Die Kartoffel ist eine heilige Knolle (Auszug)
Nie im Leben, sagt der alte Mann am Tresen und schüttelt seinen karottensaftroten Kopf vor Abscheu und Empörung. Lieber verhungere er, als dieses Teufelszeug anzurühren. Sein Leben lang habe er nur die gute irische Küche gegessen, warum solle er das jetzt ändern. Er trinke ja auch nur Guinness und nichts anderes, ohne tot umzufallen, hier, das sei sein drittes, und sehe er nicht blendend aus, na also. Seit seine Tochter mit diesem Italiener zusammenlebe, sei es ganz schlimm, der quatsche von nichts anderem als vom Essen und verstehe nichts, weder ihn noch Irland. Eine richtige Mahlzeit für einen richtigen Kerl, das sei seine Leibspeise, die Trinität der irischen Küche: ein anständiges Stück Schinken mit Kohl und Kartoffeln, alles schön lang in Wasser gekocht, drei Stunden Minimum, und dann mit einer Petersiliensauce aus der Tüte serviert. Das und nicht diese komischen Sachen aus der Hexenküche der irischen Küchenrevolution, von der jetzt alle redeten, das allein sei der Himmel auf Erden, Gott möge ihm verzeihen, cheers! (...)
Die Iren freundeten sich langsam mit dem Gedanken an, daß der der Sinn des Essens nicht allein in der Sättigung liegen und die Nahrungsaufnahme auch Spaß machen könnte. Besonders leidenschaftlich hat diese Idee Kevin Dundon verinnerlicht, der mit seinem betonierten Dauerlächeln eine Art irischen Jamie Oliver gibt, Verfasser eines populären Kochbuchs mit dem patriotischen Titel „Full on Irish“ ist und sich an der King’s Bay im Süden der Insel das Landschlößchen Dunbrody House als kulinarische Bastion in der Eintopf-Diaspora zugelegt hat.
Während sich im örtlichen Pub, einem düsteren Hexenhäuschen mit krumm getrunkenem Tresen und ein paar alten, seeuntüchtigen Fischern daran, das gastronomische Angebot in Erdnüssen und Schokoladenriegeln erschöpft, wird im Gourmetrestaurant von Dunbrody irische Haut Cuisine im Geist der neuen Zeit zelebriert – ohne Hokuspokus und kulinarische Kabinettstückchen, doch technisch auf höchstem Niveau, neugierig auf die Geschmäcker dieser Welt und dabei doch immer trunken vor Liebe zur irischen Heimat. Die karamelisierten Jakobsmuscheln aus dem Meer vor dem Herrenhaus ruhen auf einem Kopfkissen aus Süßmais und haben als Spielgefährten schwarze Trüffel und frische Brunnenkresse aus dem eigenen Garten. Auch das Filet vom Petersfisch wurde aus der tosenden irischen See gefischt, doch seine Begleitung, ein Hummer-Erbsen-Risotto, ist vom Fernweh beseelt und bricht mit der Tyrannei der Kartoffel als Sättigungsbeilage. Fragt man die Familie Dundon indes nach ihrer Lieblingsspeise, so hört man: irischer Räucherlachs mit Schwarzbrot und Zwiebeln. (...) (14.12.06)



1. Platz, Kategorie Magazin
Mare: Sandra Schulz
Das Wunder von Dingle (Auszug)

Eines Tages kam der Regenschirmmann nach Dingle und gackerte im Meer. Er schwamm hinaus in die Bucht, öffnete den Schirm und ließ ihn über seinem Kopf kreisen. Dabei imitierte er die Laute eines Huhnes. Andere schlugen Steine aneinander, schleppten ihr Didgeridoo an den Strand und bliesen aus Leibeskräften. Manche tauchten das Didgeridoo sogar in den Atlantik, wegen der Schallwellen unter Wasser. Sie spielten Harfe, sie spielten Flöte, sie nahmen aufgeblasene rosa Panter mit ins Meer, sie rüsteten sich aus mit Paddeln und Besen. Alle wollten sie nur eines: die Aufmerksamkeit dieses wilden Tieres erregen, das seit 23 Jahren in der Bucht von Dingle lebt. Big Fish nennen die Einheimischen den Delfin liebevoll. Und wenn die Touristen tadelnd korrigieren, kein Fisch, ein Säugetier sei der Delfin, grinsen sie und sagen: „Ach, wirklich?“
Dingle, eine kleine Stadt an der Westküste Irlands, umgeben von grünem, gewelltem, baumlosem Land, liegt auf jener Halbinsel, die wie ein Finger in den Atlantik ragt. Weiter westlich kann man in Europa nicht kommen. Mehr Idylle geht nicht: bunte Häuser in der Bucht, steinerne Kirche auf dem Hügel, Fischernetze an der Mole, Leuchtturm auf der Klippe und am Hafen ein bronzener Delfin, der aussieht, als würde er lauthals lachen. Ein freundlicher Delfin, ganz wie das Original.
Fungi heißt der Tümmler, um die 400 Kilogramm schwer, fast vier Meter lang, der Tausende nach Dingle lockt. Er ist einer jener solitären Delfine, die sich aus dem Verband ihrer Artgenossen lösten und dem Menschen zugetan sind. Über 100 solcher Tiere hat man in den letzten 50 Jahren auf der ganzen Welt gezählt. Zwar gibt es viele Säugetiere, die für kurz oder lang ihre Gruppe verlassen, wenn aber der neugierige allein lebende Delfin sein soziales Verhalten auf Menschen ausrichtet und der delfinbegeisterte Mensch sich auf das Tier fixiert, lassen sich am Ende Geschichten erzählen wie die von Dingle und Fungi. Geschichten, in denen der Delfin das ist, was der Mensch aus ihm macht: Spielkamerad oder Geschäftspartner, spirituelle Kraft oder sexuelles Objekt, Wunderheiler oder Freund. (...)
Monatelang hatte der Delfin Nick einst ignoriert. Dann brachte Nick ein Schwimmbrett mit, und der Tümmler umkreiste den Menschen, und der Mensch begann, die Bewegungen des Delfins zu imitieren. Er drückte das Board unter Wasser, machte den Rücken rund und presste die Füße zusammen, die Plastikflossen wurden zum Fischschwanz. Geschmeidig tauchte sein Körper in die Fluten ein und beschrieb eine Wellenlinie. Ein falscher und ein echter Delfin, in Harmonie vereint. Bald aber ersann Fungi neue, aufregendere Spiele: Schnell wie ein Torpedo schießt er seitdem durchs Wasser, sein Ziel heißt Nick, Sekunden nur, dann würde seine Schnauze den Rumpf des Menschen durchbohren. Nick weiß, durch die Wucht ihrer Stöße können Delfine selbst Haie töten. Im letzten Moment aber taucht Fungi stets ab, um hinter Nicks Rücken zum Sprung anzusetzen. Manchmal streift Fungi seinen Spielgefährten mit der Flosse, niemals aber rammt er ihn. Es ist ein wildes, hemmungsloses Vergnügen, dem Nick sich hingibt, es sind Minuten wie im Rausch, wenn das Wasser höher und höher spritzt und Nick vor Freude schreit. (...)
(07.06.06)



1. Platz, Kategorie Originell und Außergewöhnlich
Die Zeit/Zeitreisen: Christof Siemes
Im Sturm erobert (Auszug)

Was gewesen wäre, wenn sie nein gesagt hätte, ist heute nicht mehr mit Sicherheit zu sagen. Wäre er über die Kante gesprungen, mit der Flasche Sekt und den beiden Zahnputzgläsern aus der Pension im Rucksack? Und hätte er, den Kopf voller romantischer Flausen, sie mit sich gerissen, 90 Meter in die Tiefe? Vier Sekunden dauert der Sturz, vielleicht verliert man das Bewusstsein schon vor dem Aufschlag auf dem Wasser. Dann sofortiges Versinken im weißen Schaum auf der unablässig heranstampfenden Irischen See. Welch ein Ende. Welch ein Anfang. Wie Geschützdonner klinken die Attacken der Brecher auf den Fuß der Klippe.
Die Schuhe, die er trägt, sind noch dieselben wie damals. Inzwischen frisst Rost an den Ösen für die Schnürsenkel. Der Weg bis ganz hinauf ist auch jetzt noch, acheinhalb Jahre später, lang, eine 25-stündige Lektion im Entschleunigen, Behutsamkeit. In Hamburg war er in einen Düsenjet gestiegen, in Dublin auf eine Propellerflugzeug gewechselt, die Nacht verbrachte er in Galway, nahm am nächsten Morgen den Bus nach Rossaveal zur Fähre. Mit der Ceol na Farraige, dem elfenbeinfarbenen Schnellboot, setzte er über in das Hafendorf Cill Rònáin und mietete sich ein Fahrrad für die letzten Kilometer nach Cill Mhuirbhigh. Von hier aus konnte er das Ziel schon sehen, oben auf dem Rücken des Hügels. Ein Felstier aus anderer Zeit, eine Gralsburg, nicht überirdisch strahlend, sondern erdverbunden, kalkgrau und geduckt, schwer von Jahrtausenden. Dann noch eine halbe Stunde lang zu Fuß, bis zum schmalen Burgtor: Dun Aonghasa, das Fort von Aengus, dem Sohn von Umor, dem legendären Anführer der Fir Bolg.
Das Wetter: wie damals. Und wie immer besser, als man es von Irland glaubt. Der Himmel eierkartonfarben, am Horizont ist eine Lache Kupfermilch darüber gegossen. Und wieder zieht es ihn magisch an den Abgrund. Sie war damals auch gleich darauf zumaschiert, hatte sich einen Meter davor auf den Bauch gelegt und war weitergerobbt, um in das Nichts zu blicken, in dem die See unaufhörlich ihr Süpplein kocht aus Weiß und Grau und Grün. Wenn die Welt irgendwo zu Ende geht, dann hier, am Südrand von Inis Mór, der größten der drei Aran Islands, die wie zerfurchte Walrücken aus der Bucht westlich von Galway auftauchen. „Halt mich an den Füßen fest“, hatte sie gesagt, der Sog in die Tiefe ist mächtig.
Was hatten die beiden hier gesucht? Die Quintessenz Irlands vielleicht. Was fast so viel hieß wie den Sinn des Lebens. Sie lebte damals in Dublin, war binnen kurzem zu einer Irin des Herzens mutiert. Und hatte ihn, den Stipvisiteur und Regenflüchter, fast vollständig auf ihre Seite gebracht, persönlich sowieso, aber auch topografisch. Hatte ihn überzeugt von den Vorzügen des hot whiskey, der Einmaligkeit von Fish and Chips and der Strandpromenade von Bray, sogar Palmen hatte sie ihm gezeigt. Die Arans sollten letzte Zweifel ausräumen am Land ihrer Wahl. Eine Landschaft der großen Gefühle, schroff im Süden, versöhnlich im Norden, tödlich im Sturm, unschuldig in der Sonne. Ein Randgebiet, das nur die ganz großen Fragen zulässt: Woher? Wohin? (...)
(März 2005)